Nitrat und Nitrit – Vom Dünger zum Schadstoff

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EU Klage: Nitrat im Grundwasser

Deutschland hat seit Jahren ein Problem mit dem Nitratgehalt im Grundwasser. Bereits im April 2016 hat die EU-Kommission eine Klageschrift angekündigt, und heute, am 07.11.2016, haben sie ihr Versprechen schließlich wahr gemacht.

Wie kommt Nitrat ins Grundwasser?

In der deutschen Landwirtschaft wird mehr Kunstdünger und Gülle aufgetragen, als der Boden es verkraftet. Im Idealfall benutzt man exakt so viel Dünger, wie die Pflanzen ihn aufnehmen können. Offensichtlich wird diese Menge in Deutschland allerdings überschritten.

Die Folge: der gesetzliche Grenzwert wird an immer mehr Orten überschritten. Aus Sicht der EU-Kommission haben Bund und Länder zu wenig unternommen, um daran etwas zu ändern. Damit soll nun Schluss sein.

Welche Folgen hat Nitrat auf den menschlichen Körper?

Nitrate sind Stickstoffverbindungen, die zwar grundsätzlich vom Körper schnell wieder ausgeschieden werden. Dennoch stellen Nitrate Schadstoffe dar, die beim Menschen, insbesondere bei Säuglingen, eine gesundheitliche Gefahr darstellen, da sie im Körper zu Nitrit umgewandelt werden. Die Folgen können sein:

  • Nitrite können krebserregende Stoffe enthalten
  • Sie behindern die Jodaufnahme
  • Nitritanionen können die Blutkörperchen, das Hämoglobin, zu Methämoglobin umwandeln, wodurch die Sauerstoffaufnahme eingeschränkt wird, und die Nitritablagerungen behindern die Blutdurchströmungen

Welche Lebensmittel sind besonders betroffen?

Das meiste Nitrat findet man in grünem Gemüse wie Blattsalaten:

  • Rucola
  • Spinat
  • Kohlrabi
  • Rote Beete
  • Radieschen
  • Rettich

Welche Folgen sind von der EU Klage zu erwarten?

Die Bundesrepublik wird nun zum Handeln gezwungen. Grenzwerte werden runtergesetzt, worunter die deutsche Landwirtschaft sicherlich zu leiden haben wird.

Zukünftig wird man weniger düngen dürfen, doch bleibt die Frage offen, wie sehr die Wirtschaftlichkeit landwirtschaftlicher Betriebe dabei bewahrt werden kann.

Außerdem muss man das Problem überschüssiger Gülle lösen. Insbesondere durch Massentierhaltung wird viel mehr Gülle produziert, als man sie als Dünger verbrauchen kann.

Möglicherweise werden die Mehrkosten an die Verbraucher weitergegeben. Allerdings sollte es uns allen ein paar Euros mehr wert sein, die Sauberkeit des Grundwassers zu bewahren. Beziehungsweise wiederherzustellen.

 


 

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