Wie startet man ein FoodStartup?

Aktualisiert am: 8. Februar 2018

Sie als Entrepreneur im Bereich Lebensmittel und Nahrungsergänzungsmittel müssen sich vielen verschiedenen Herausforderungen stellen. Sie müssen sich auseinandersetzen mit den üblichen Themen bei der Gründung eines Startups wie Businessplan, Finanzierung etc.. beschäftigen. Dazu kommen die branchenspezifischen Fragestellungen, bei deren Beantwortung wir Sie gerne unterstützen würden.

Besondere Fragestellungen des FoodStartups:

Welche Genehmigungen werden benötigt?

  • Nachweis über den Umgang mit Lebensmitteln (Gesundheitspass: Film oder kurze Belehrung)
  • Abnahme der Lebensmittelproduktion vom örtlichen Ordnungsamt
  • Gewerbeschein
  • Eine Reisegewerbekarte, falls man auf örtlichen Märkten verkaufen will

Das klingt jetzt alles etwas aufwendig, ist es aber im Endeffekt gar nicht. Interessierte sollten sich einfach an Ihre Stadt (Wirtschaftsdezernat) wenden oder die IHK. In der Regel bekommt man dort alle Addressen und Ansprechpartner gebündelt ausgehändigt.

Einordnung des Produktes

Entscheidend für das weitere Vorgehen ist die Einordnung des neuen Produktes. Handelt es sich um ein Lebensmittel, ein Nahrungsergänzungsmittel oder gar um ein Arzneimittel?

Welche Zutaten setze ich ein?

Die Frage, welche Rohstoffe eingesetzt werden, entscheidet selbstverständlich über die Qualität des Endproduktes. Kauft man seine Rohstoffe im Großmarkt, kann man davon ausgehen, dass diese  schon überprüft wurden und den Ansprüchen der EU Verordnungen genügen. Bezieht man seine Rohstoffe direkt vom Produzenten, ist das grundsätzlich eine gute Sache, aber dann sollte auch ein Blick auf das Qualitätsmanagement des Herstellers geworfen werden. Zertifizierte Bio Betriebe sind dabei z.B. anders zu bewerten als Kleinstbauern im außereuropäischen Ausland. Das bedeutet NICHT, dass nicht zertifizierte Betriebe eine schlechtere Qualität produzieren. Die Zertifizierungen sind sehr kostenintensiv und daher können sich gerade kleine lokale Produzenten diese nicht immer leisten. Trotzdem gilt aber: Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser. Wenn beispielsweise Tee direkt aus dem Ursprungsland importiert wird und es keine gesicherten Informationen zu dem Pestizid-Einsatz gibt, ist es ratsam, ein Vorkaufsmuster analysieren zu lassen, und zwar bevor sich der erste Container auf den Weg macht. Ähnliches gilt für getrocknete Kräuter und Gewürze. Jeder Rohstoff hat sein eigens Risikofeld. Reis hat häufig Probleme mit Arsen, Kakao mit Cadmium und Obst mit Pestiziden. 

Es ist also wichtig die Rohstoffe mit Bedacht auszuwählen und sich über das Risiko, das mit diesen Rohstoffen und den Herkunftsländern verbunden ist, beraten zu lassen. Letztlich münden diese Anstrengungen in einem eigenen Qualitätsicherungssystem.

 

Wie bestimme ich das Haltbarkeitsdatum?

Wie lange ein Produkt haltbar ist, hängt im wesentlichen vom Produkt, vom Herstellungsprozess und der anschließenden Lagerung ab.

Eine Bestimmung des MHDs (Mindesthaltbarkeitsdatum) kostet etwas Zeit. Im Zweifel dauert es mindestens so lange, wie das Produkt später haltbar sein soll. Zwei Vorgehensweisen sind denkbar:

  1. Das Produkt wird so lange gelagert, wie es haltbar sein soll. Nach der Lagerung wird mikrobiologisch, sensorisch und ggf. chemisch geprüft. Wenn diese Analysen zufriedenstellend ausfallen, kann dieser Zeitraum als MHD angegeben werden.
  2. Das Produkt wird gelagert und in regelmäßigen Zeitabständen mikrobiologisch, sensorisch und ggf. chemisch geprüft. Der letzte Zeitpunkt, bei dem die Prüfungen zufriedenstellend ausfielen, kann als MHD angesehen werden.

Bei Lebensmitteln, die später ungekühlt im Regal stehen sollen, kann der Alterungsprozess beschleunigt werden. Man kann diese Produkte bei 40 Grad lagern. Dann gilt: 1 Woche = 4 Wochen. Also 2 Wochen Lagerung bei 40°C entsprechen dann 8 Wochen bei Raumtemperatur.

Die erstgenannte Vorgehensweise liefert eine entweder/oder-Aussage. Probleme entstehen, wenn das Produkt zum Zeitpunkt der Prüfung nicht mehr ok ist. Es kann dann lediglich die Aussage getroffen werden:“Zeitraum XYZ ist zu lang“. Es gibt keine Möglichkeit aus dem Ergebnis ein anderes, kürzeres MHD abzulesen. Die einzige Möglichkeit ist eine Wiederholung mit der Analyse nach einer kürzeren Zeit. Daher an dieser Stelle ein Rat. Das Budget ist gerade am Anfang meist sehr knapp. Machen Sie zuerst einen Selbstversuch um das ungefähre MHD abzuschätzen und dann die Analyse.

Spielt das Budget keine so große Rolle, dann ist die zweite Vorgehensweise zu empfehlen. Sie vermeiden so den Zeitverlust einer Wiederholung der gesamten Haltbarkeitsprüfung nach 1..

Kennzeichnung

Kennzeichnung ist ein komplexes Feld. Die rechtliche Grundlage hierfür bildet die Lebesnmittelinformationsverordnung.  Auch hier gibt es keine Vorschrift, die Sie verpflichtet, die Kennzeichnung von einem Profi überprüfen zu lassen. Und wo kein Kläger, da kein Richter. Sollte es aber eine Überprüfung durch die Überwachungsbehörde geben, wird in der Regel als erstes die Kennzeichnung überprüft. Und sollten die behördlichen Stellen fordern, dass Sie ihre Etiketten anpassen, nachdem ihre Produkte schon im Regal stehen, kann das äußerst ärgerlich sein.
Bitte beachten Sie dazu auch den Artikel zum Thema Kennzeichnung

Nährwerte

Grundsätzlich ist eine Kennzeichnung der Nährwerte auf der Verpackung seit einiger Zeit Pflicht. Es gibt aber Ausnahmen für kleine regionale Produzenten. Als „klein“ gelten Betriebe mit weniger als 10 Mitarbeiter und/oder 2 Mio. Jahresumsatz. Diese Betriebe müssen nicht zwingend die Nährwerte auf der Verpackung deklarieren, solange nur regional vertrieben wird. Dies gilt auch für den eigenen kleinen Onlineshop.

Die Ausnahme gilt nicht mehr, sobald die Produkte in größeren Onlineshops (Amazon/ebay,….) vertrieben werden. Dann sind die Nährwerte auf jeden Fall verpflichtend. 

Die Ausnahme gilt auch nicht, wenn mit bestimmten Inhaltsstoffen geworben wird. „Reich an…“ „Fettreduziert“ dann müssen die Nährwerte aufgeführt werden.

Besondere rechtliche Regelungen?

Einige Produkte fallen beispielsweise unter die NovelFood Verordunug und dürfen somit nur nach Genehmigung in Europa vertrieben werden. Ein Beispiel dafür sind Erfrischungsgetränke aus der Kaffeekirsche oder Snacks mit Insekten. Diese erfreuen in anderen Ländern großer Beliebtheit und sind dort auch schon seit Jahren auf dem Markt; hierzulande sind sie aber neu. Das bedeutet, es muss erst ein Antrag bei der EU gestellt werden, und es wird dann bewertet ob eine gesundheitliche Gefahr von diesen Produkten ausgeht.

Gerne stehen wir Ihnen bei allen Fragestellungen beratend zur Seite. Sprechen Sie uns einfach an. 


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